Der Ackermann und der Tod
Ein Streit in 33 kurzen Kapiteln
von Johann von Tepl

13. September 2026
Ort: St. Leonhard / Frankfurt am Main
Szenische Lesung anlässlich der Restaurierung von St. Leonhard in Frankfurt/M.
Der Ackerman aus Böhmen, 1401 verfasst von Johann von Tepl, ist ein Dialog von beeindruckender Sprachgewalt. Unverkennbar im Mittelalter verortet, stellt er die bis heute gültigen Sinnfragen in einer unerschrockenen, leidenschaftlichen Form an den Tod und damit auch an Gott.
Der Kläger ist der Autor selbst, als Schriftsteller ist er ein „Ackermann des Papiers“ mit der Feder als Pflug, der den Tod seiner geliebten Ehefrau im Kindbett beklagt. Er beschimpft den Tod als Verbrecher und seelenlosen Massenmörder und macht damit eine beispiellose Kampfansage, die sein Widersacher anfangs elegant und intelligent zu parieren weiß.
Den entscheidenden Wirkungstreffer landet der Ackermann allerdings mit der provozierenden Erkenntnis: Der Tod kann Leben auslöschen, aber keine Ideen. Derart in die Enge getrieben reagiert der Tod seinerseits mit großer Leidenschaft. Er prangert die ungeheure Anmaßung und Zerstörungswut der Menschheit an: Sowohl die Verbrechen der Menschen untereinander als auch deren Maßlosigkeit und rücksichtslosen Umgang mit der Natur. Am Ende wird Gott als Richter angerufen, bei dessen Schiedsspruch es zwar einen Sieger gibt, aber niemand sein Gesicht bzw. seine Ehre verliert.
Vorleser: Axel Gottschick, Reinhold Behling, Heidi Ecks
Foto: privat / lllustration aus der Heidelberger Handschrift cpg76 (um 1470)